

Eindrücke von einer kurzen Reise durch den Westen Estlands
Ueber Jahrhunderte litt Estland unter Fremdherrschaft. Seit 1209 waren es zuerst die Dänen, dann der Deutsche Orden, gefolgt von Polen-Litauen, Schweden und Russland, die Estland beherrschten. 1918 schliesslich war Estland in der Lage, sich unabhängig zu erklären. 1940 waren es erneut die Russen die Estland unter ihre Herrschaft brachten, 1941- 44 das Naziregime. Von 1944 - 91 wurde Estland durch die Sowjetunion besetzt. 1991 erfolgte die zweite Unabhängigkeit, die bis heute andauert, aber durch Putins Drohungen nun erneut gefährdet ist.
Eine Gedenkstätte für die Opfer sowjetischer Herrschaft in Form eines düsteren Weges zwischen zwei schwarzen Wänden bewegt uns. Die Namen der Opfer sind an den Wänden eingraviert. Zukunftshoffnung entsteht am Ausgang, wo uns blühende Apfelbäume erwarten. An der einen Aussenwand ist ein Bienenschwarm dargestellt, als Symbol für den Willen Deportierter zur Rückkehr in die estnische Heimat, dargestellt.
Seit 2004 ist Estland Mitglied der EU und der Nato. Wird ein Nato Mitglied militärisch angegriffen, ist das Verteidigungsbündnis verpfichtet, dem angegegriffenen Land beizustehen. Das Bewusstsein um die Gefahr eines erneuten russischen Angriffs in Estland ist gross. Die Militärausgaben in Prozenten des BIP betragen in Estland 2,8 - 3 %. Alle europäischen Länder erreichen 2026 die von der Nato beschlossenen 2 %. Die Schweiz liegt bei 0,7 - 0,8 %.
Unsere estnische Freundin hat eine verantwortungsvolle Führungsposition in einem baltischen Unternehmen inne. Auch in ihrer Familie gab es Opfer der sowjetischen Gewaltherrschaft. Vor einiger Zeit hat sie sich entschieden, eine Ausbildung in der freiwilligen Verteidigungsorganisation der Frauen zu machen. Diese unterstützt die estnische Verteidigungsliga beim Schutz der Unabhängigkeit Estlands, der Sicherheit der Bevölkerung und stärkt den gesellschaftlichen Verteidigungwillen. Die Mitglieder absolvieren eine Grundausbildung, welche fünf Grundkurse beinhaltet. Sie hat sich für den medizinischen Bereich entschieden. Bereits hat sie vier Kurse absolviert, der letzte Grundkurs zur militärischen Basisfähigkeit folgt diesen Sommer. Danach beginnt sie eine mehrmodulare Sanitätsausbildung, gefolgt von einer rund sechsmonatigen Ausbildung zur militärischen Paramedic.
Durch diese Reise, die Geschichte, den Kontakt mit wehrhaften und tüchtigen Menschen und die Schönheit des Landes fühlen wir uns mit den Einwohnern sehr verbunden, Möge sich ihre Tapferkeit und ihre Mitgliedschaft in der Nato auszahlen.