

Montesquieus Überlegungen zur Machtbegrenzung sind zu allen Zeiten gültig. Gerade heute wird einmal mehr deutlich, dass Demokratie nur in Verbindung mit Gewaltenteilung Freiheit und Rechtsstaatlichkeit garantiert.
Montesquieu war ein völlig unabhänger, kritischer Geist, verheiratet mit einer Hugenottin, Jeanne de Lartigue, von französischem Adel, aber persönlich bescheiden.
In seinen "Lettres persanes", erschienen 1721, äussern sich zwei durch Frankreich reisende Perser spöttisch zum absolutistischen Staat und der katholischen Kirche. Anonym geschrieben und das eigene Land durch Perser beurteilt - eine doppelte Verfremdung, die wohl der mehr als nur kritischen Beurteilung etwas von der Schärfe nehmen sollte, was dem Autor nur teilweise gelang. Die Kirche beschäftigte sich bis zum Tode Montesquieus mit einigen Aussagen.
In den "Considération sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence", erschienen 1734, bewies Montesquieu seine Qualitäten als Historiker und legte auch Grundlagen zu seinem nächsten grossen Werk.
Montesquieu lebte mehrheitlich in Paris. Er unternahm aber grössere Reisen durch Europa, war in Deutschland, Österreich und Italien und eineinhalb Jahre auch in England, wo er das politische System genau analysierte und bewunderte. Er erhielt Zugang zum Königshaus, und er trat der Freimaurerloge bei.
1748 erschien, in einem Genfer Verlag, "De l'Esprit des Lois", seine Gewaltenteilungslehre. Es ging ihm um die Machtbeschränkung der Gewalten, der rechtssetzenden, der ausführenden und der urteilenden Gewalt. Die Gefahr einer Machtausweitung drohte nach seiner Meinung in erster Linie vom Parlament, dies wohl besonders mit Blick auf den Adel. Er baute deshalb Instrumente zur Verhinderung der überbordenden Machtfülle des Parlamentes ein. In Frankreich war die Schrift zeitweilig verboten und von der katholischen Kirche auf den Index gesetzt.
Heute droht weltweit die grösste Gefahr von der Exekutive resp. von autoritären oder totalitären Präsidenten, die das Parlament und deren Mitglieder persönlich unter Druck nehmen, sich der Justiz bemächtigen und die Medien unter ihre Kontrolle bringen.
Montesquieu erhielt verschiedene hohe Ehrungen. Die bedeutendsten waren die Aufnahme in die Académie Française und die Aufnahme in die Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres de Prusse.
Friedrich der Grosse wollte die Académie entsprechend seiner aufklärerischen Überzeugung erneuern. Er setzte dafür als Präsidenten einen französischen Mathematiker, Astronom und Philosophen, Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, ein. Dieser schlug Friedrich dem Grossen mit Erfolg Montesquieu als Mitglied vor. Die Zusammensetzung der Mitglieder der Académie Royale ist sehr interessant: Gelehrte verschiedenster Wissenschaftsbereiche und Nationen wurden aufgenommen. So übrigens auch ein Schweizer, Daniel Bernoulli, ein Mathematiker und Physiker.
Es gilt als sicher, dass Friedrich der Grosse "De l'Esprit des Lois" kannte. Er selber schrieb ein Jahr nach deren Veröffentlichung ebenfalls eine Abhandlung: "Ueber die Gründe, Gesetze einzuführen und wieder abzuschaffen.", welche in der Académie Royale vorgelesen wurde.
Quellen:
Montesquieu. Franzose-Europäer-Weltbürger. Herausgegeben von Effi Böhlke und Etienne François. Im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Akademieverlag Berlin 2005
Max Imboden, Montequieu und die Lehre der Gewaltentrennung, Schriftenreihe der Juristischen Gesellschaft zu Berlin. Berlin 1959